Quarantäne-Tagebuch, Woche 2 / Quarantine Diary, Week 2

Deutsch / English

Quarantäne-Tagebuch, Woche 2

Tag 8:

Wir schlafen unfassbar gut hier. Die kühle Nachtluft und dieRuhe führen dazu, dass wir wirklich komatös jeden Tag bis weit nach 8 Uhrschlafen.

Heute darf ich wieder arbeiten, ich habe mich freiwilliggemeldet, in dieser Woche noch einige Dienste zu übernehmen. Wenn wir schonnicht reisen können, kann ich wenigstens ein bisschen Geld verdienen.

Titus geht seiner neuesten Lieblingsbeschäftigung nach:Schlagzeugspielen mit selbst gebastelten Instrumenten aus übrig gebliebenenEssstäbchen. Man nimmt, was man kriegt!

Norman telefoniert derweil eifrig mit einerenglischsprechenden (!) Dame vom lokalen Gesundheitsamt, die uns noch einmalbestätigt, dass wir tatsächlich die vollen 14 Tage in Quarantäne bleibenmüssen. Wir hatten ein wenig darauf gehofft, dass ab unserem Einreisetag inChina gerechnet wird.

Im Kniffelturnier liegt Titus nach der ersten Woche bereits deutlich vorne. Dass er nebenbei das ganze Einmaleins lernt, ist ein schöner Nebeneffekt.

Tag 9:

Heute ist Tag der Räuber. Titus gründet eine fiktive Räuberbande und baut sich eine Höhle, aus der er den ganzen Vormittag nicht mehr heraus kommt.

Wir machen uns derweil Gedanken über die Weiterreise. AusGesprächen mit den Nachbarn und Chats mit Einheimischen haben wir erfahren,dass praktisch jede Stadt eigene Regeln hat, wie mit Neuankommenden verfahrenwird. Die Gefahr, dass wir also erneut in Quarantäne müssen, ist groß.

Mit Toben, Malen und ein bisschen Online-Unterricht vergehtder Nachmittag wie im Flug. Ich kann gar nicht fassen, wie sehr die Zeit rast.Norman hat seine Steuererklärung fast vollendet, ich sitze an einem Fotobuch.

Am Abend halten wir eine Skype-Konferenz mit der liebstenFreundes-Familie in München ab. Das machen wir ab sofort öfter!

Beim Abspülen schneidet Norman sich böse in den Finger. ZumGlück sind wir bestens mit Erste-Hilfe ausgestattet, und wir könnenprofessionell verbinden. Im Gegensatz zu manch anderen Internierten sind wirmit unserem Gepäck, das ja für sechs Monate Reisen ausgerichtet ist, sowiesosehr autark. Wir haben Medikamente, Wäscheleine, Spielsachen, Geschirr undBesteck, …

Tag 10:

Unsere deutschen Nachbarn verabschieden sich, ihreQuarantäne ist vorüber. Als Abschiedsgeschenk überlassen sie uns eine großeTüte mit Obst, Brot und Süßigkeiten. Versorgt mit Tipps zu den bestenRestaurants, die Essen liefern, verabschieden wir uns.

Da Normans Finger schmerzt, übernehmen Titus und ich dieWäsche. Der Nachmittag ist dermaßen herrlich sonnig, dass wir Stunden auf demBalkon verbringen. Wie gut, dass wir wenigstens hier an die frische Luftkommen!

Nach ein bisschen Online-Unterricht und zwei maximal anstrengenden Sporteinheiten nutzen wir heute zum ersten Mal das Fernsehgerät im Zimmer. Am späten Nachmittag spielt der einzige Sender mit englischen Filmen, HBO Asia, „Monsters, Inc.“

Wir machen es uns also im Bett gemütlich und lachen uns beimKino-Nachmittag kaputt. Fast schon wie ein Profi bestellt Norman zum Abendessennoch einmal Pizza und Pommes – ein Festessen für uns, auch wenn alles sehrfettig ist.

Tag 11:

Heute ist Ausschlaftag. Wir liegen noch im Bett, als um kurzvor 9 Uhr das Frühstück geliefert wird – und bleiben mit Kaffeetasse und Müslieinfach unter den weichen Decken liegen, bis es Zeit für das täglicheFiebermessen ist.

Etwas überraschend marschiert kurz danach wieder das „Seuchenkommando“ in unser Zimmer. Es ist soweit, der zweite Test steht an. Zum Glück gehen die Damen beim Rachenabstrich nicht ganz so rabiat vor und lösen dabei keinen Würgereiz aus.

Ansonsten genießen wir in vollen Zügen die Nachmittagssonne, und Titus ist mal wieder beste Yoga-Buddy. Norman telefoniert mit der Familie, und am Abend spielen wir ein paar Runden Uno und amüsieren uns mit dem Sams bei der abendlichen Vorleserunde köstlich.

Tag 12:

Die Sonne am Nachmittag brennt von Tag zu Tag heißer, dochdie aktuellen Nachrichten trüben die Stimmung. Auch China macht nun aus Angstvor Neuinfektionen durch Rückkehrer und Touristen die Grenzen dicht, keinerkommt mehr rein.

Wir schlagen uns erneut mit der Frage herum: gehen oderbleiben? In Krisenzeiten verspüre ich wie wahrscheinlich jeder andere auch denWunsch, in gewohnter Umgebung und in der Nähe der Familie zu sein. Also dochnach Flügen suchen? Andererseits stellen wir eben auch ein Risiko dar, kämenwir doch auf dem Weg dorthin mit ziemlich vielen Menschen in Kontakt (Flughäfen,Flugzeuge, öffentliche Verkehrsmittel, …). Es wäre also auch unverantwortlich,so bei unseren Eltern einzumarschieren. Wir vertagen die Entscheidung nachreiflicher Überlegung.

Offenbar ist der Corona-Test nach wie vor negativ. Zumindestbleiben wir unbehelligt – und erhalten sogar am späten Nachmittag dieNachricht, dass wir am nächsten Tag bereits gehen könnten. Einen Tag früher alserrechnet, und sehr kurzfristig. Norman verbringt also den Rest des Tagesdamit, mit unserer nächsten Unterkunft zu klären, ob wir auch einen Tag frühereinziehen dürfen.

Und wir müssen packen! Das dauert, haben wir uns doch in den vergangenen fast zwei Wochen ziemlich exzessiv in unserem Zimmer ausgebreitet…

Tag 13:

Alles zurück auf Anfang: Wir müssen doch noch bis zum Tag 14bleiben, irgendjemand in der Verwaltung hat sich offenbar verrechnet. Daserfahren wir nebenbei, ohne ein Wort der Entschuldigung.

Nun gut, dann haben wir eben noch einen Tag länger inunserem kleinen, geschützten Kokon. Den verbringen wir so gemütlich wie nurmöglich, es wird hauptsächlich gelesen, Titus guckt Tierdoku um Tierdoku, undvon mir aus kann er das heute auch machen.

Die Sporteinheit muss aber wie immer sein, Norman ist großerFan von maximal anstrengenden SHRED-Programmen, während Titus hinter unsSprungübungen auf den Betten macht.

Zum Mittagessen gibt es heute noch einmal Dumplings, dieaber nur so mittelmäßig schmecken. Meine selbstgemachten sind besser!

Es ist Wochenende, also fällt „Unterricht“ heute sowiesoaus, und wir telefonieren lieber mit der Familie und gucken abends einen Filmzusammen.

Tag 14:

Abreise: Diesmal hüpfen wir alle schnell aus dem Bett, Schluss mit Schlendrian und bis in die Puppen im Bett bleiben. Schade eigentlich, wir hatten uns hier in der Quarantäne wirklich wohl gefühlt. Ich weiß, dass können sich viele nicht so recht vorstellen. Aber uns hat die intensive Zeit, die wir ohne größere Ablenkungen von außen miteinander verbringen konnten, wirklich gut getan. Wir sind entspannt, ausgeschlafen, fit und munter und bereit für die kommenden Abenteuer!

Es dauert noch ein bisschen, bis alle Formalitäten erledigt sind – aber am Ende halten wir die offiziellen Entlassungspapier in den Händen und werden sogar vom Hotelmanager höchstpersönlich zu unserem neuen Domizil gebracht. Jetzt kann die Reise weitergehen.


Deutsch /English

Quarantine Diary, Week 1

Day 8:

We sleepincredibly well here. The cool air in the night and the silence make us sleep likein a coma every night until well after 8 o’clock.

Today I amallowed to work again, I volunteered to take over some shifts this week. If wecan’t travel, at least I can earn some money.

Tituspursues his latest favourite activity: playing drums with self-made instrumentsfrom leftover chopsticks. You take what you get!

MeanwhileNorman eagerly calls an English speaking (!) lady from the local healthdepartment, who confirms that we actually have to stay in quarantine for thefull 14 days. We had hoped a little bit that it would be counted from our dayof entry into China.

In the Yahtzeetournament Titus is already clearly ahead after the first week. The fact thathe learns all the multiplication on the side is a nice side effect.

Day 9:

Today is Bandit Day. Titus founds a fictitious band of robbers and builds himself a cave from which he won’t get out for the whole morning.

Meanwhilewe think about the continuation of the journey. From conversations with theneighbours and chats with locals we have learned that practically every townhas its own rules about how to deal with new arrivals. The danger that we willhave to go into quarantine again is high.

Withromping, painting and a bit of online teaching the afternoon flies by. I can’tbelieve how time flies. Norman has almost finished his tax return, I’m workingon a photo book.

In theevening we have a Skype conference with our dearest family of friends inMunich. We will do this more often from now on!

While washing up Norman cuts his finger badly. Fortunately we are well equipped with first aid and we can render first aid professionally. Unlike some other internees, we are very self-sufficient with our luggage, which is designed for six months of travel anyway. We have medicine, clothesline, toys, dishes and cutlery, …

Day 10:

Our Germanneighbours say goodbye, their quarantine is over. As a farewell present theyleave us a big bag with fruit, bread and sweets. Supplied with tips on the bestrestaurants that deliver food, we say goodbye.

Since Norman’s finger hurts, Titus and I take over the laundry. The afternoon is so wonderfully sunny that we spend hours on the balcony. How good that we at least get some fresh air here!

After someonline lessons and two maximum exhausting sports units we use the TV in theroom for the first time today. In the late afternoon the only channel withEnglish movies, HBO Asia, broadcasts “Monsters, Inc.”

So we make ourselves comfortable in bed and laugh our heads off during the cinema afternoon. Almost like a professional Mandarin speaker Norman orders pizza and fries again for dinner – a feast for us, even if everything is very greasy.

Day 11:

Today is lazy day. We are still in bed when breakfast is delivered at around 9 am – and just stay under the thick blankets with coffee cup and muesli until it is time for the daily fever measurement.

Somewhatsurprisingly, shortly after that the “epidemic command” marches intoour room again. The time has come, the second Covid-19 test is due. Luckily theladies are not quite as violent in their throat swabs and do not trigger a gagreflex.

Otherwise we enjoy the afternoon sun to the fullest and Titus is once again the best yoga buddy. Norman talks to the family on the phone, and in the evening we play a few rounds of Uno and have a great time with the Sams at the evening reading session.

Day 12:

Theafternoon sun burns hotter every day, but the current news cloud our mood. AlsoChina is now closing the borders, they fear new infections by returnees andtourists, nobody is getting in anymore and almost all flights out of thecountry are cancelled until further notice.

We againstruggle with the question: go or stay? In times of crisis I, like probablyeveryone else, feel the desire to be in familiar surroundings and close to myfamily. So should we try to find flights after all? On the other hand, we alsorepresent a risk, since we would come into contact with quite a few people onthe way home (airports, airplanes, public transport, …). So it would beirresponsible to invade our parents in this way. We postpone the decision aftercareful consideration.

Apparentlythe Corona test is still negative. At least we remain undisturbed – and even inthe late afternoon we get the message that we could leave the next day already.One day earlier than calculated, and at very short notice. So Norman spends therest of the day checking with our next accommodation whether we may also movein one day earlier.

And we have to pack! That takes time, as we have spread out in our room quite excessively during the last two weeks…

Day 13:

Everythingback to the beginning: We still have to stay until day 14 after all, someone inthe administration has obviously miscalculated. We’ll find out about it inpassing, without a word of apology.

Well then,we’ll just have one more day in our little protected cocoon. We spend it ascomfortably as possible, mainly reading, Titus watches animal documentary afteranimal documentary, and he is free to do whatever he wants today.

But the exerciseunit has to be as usual, Norman is a big fan of maximum exhausting SHREDprograms, while Titus does jumping exercises on the beds behind us.

For lunchthere are dumplings again today, but they taste only mediocre. My homemade onesare better!

It’s theweekend, so “classes” are cancelled today anyway, and we prefer to callthe family and watch a movie together in the evening.

Day 14:

Departure day: This time we get up quite fast, because staying in bed till all hours is over now. What a pity actually, we had really felt comfortable here in quarantine. I know many people can’t really believe that. But the intensive family time we were able to spend together without major distractions from the outside really did us good. We are relaxed, rested, fit and alert and ready for the adventures ahead!

It still takes a while until all the formalities are completed – but in the end we hold the official release papers in our hands and are even brought to our new domicile by the hotel manager himself. Now the journey can continue.

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