Chengdu: Ostern / Ester holidays
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Ostern in Chengdu
Ostern spielt in China keine große Rolle. Der Ostersonntag ist ein ganz normaler Arbeitstag, denn Geschäfte haben hier sieben Tage die Woche geöffnet.
Titus bereiten wir schonend darauf vor, dass der Osterhase leider nicht nach China kommen kann. Grund sind natürlich die Grenzschließungen und Reiseeinschränkungen, versichern wir glaubhaft. Damit wenigstens ein wenig Feiertagsstimmung aufkommt, bucht Norman uns für einen feudalen Osterbrunch in einem schicken Hotel ein.
Um dorthin zu gelangen, fahren wir mit der Metro viele Stationen und überqueren eine ganz normale Großstadtkreuzung. Die Fußgängerampel zeigt gerade so lange auf Grün, wie wir für insgesamt 16 (!) Spuren benötigen.

Osterbrunch
Beim Osterbrunch dürfen wir anschließend fast vier Stunden lang schlemmen und dem Free-Flow-Prosecco frönen: Es gibt Köstliches aus der chinesischen, japanischen und indischen Küche, und vor allem die Konditoren haben sich in Zeug gelegt.

Unser Herz schlägt aber für das mediterrane Büffet, wo es riesige Laibe Parmesan, Salate, knuspriges Brot und Oliven gibt. Titus schlägt sich den Bauch voll und verschwindet dann, um sich den Horden von Kindern anzuschließen, die sich um den Clown/Zauberer scharen, Ostereier suchen und bemalen und anschließend durch das nur spärlich besetzte Restaurant toben.

Ein voller Erfolg also, und beim Bezahlen stellen wir fest, dass der angegebene Preis von 380 Yuan (umgerechnet 45 Euro) nicht pro Person, sondern pro Familie gilt.
Jincheng Park und Global Center
Da wir dringend Bewegung brauchen, legen wir einen Spaziergang durch den nahegelegenen Jincheng Park ein, wo sich Sonntagsausflügler zum Drachensteigen, Angeln, Fotoshooting oder Picknicken tummeln – ganz normale chinesische Freizeitbeschäftigungen also.
Im Hintergrund erhebt sich ein gigantisches Gebäude. Während Norman auf Messehalle tippt, vermute ich ein Einkaufszentrum – und liege damit richtig.

Das Global Center ist das flächenmäßig größte Gebäude der Welt und beherbergt neben einer unüberschaubar großen Shopping Mall ein Schwimmbad, ein Hotel und und und. Das müssen wir uns natürlich aus der Nähe anschauen, und haben am Ende Schwierigkeiten, in dem irrsinnig großen Bauwerk wieder den Ausgang zu finden.

Am Eingang zur U-Bahn nimmt man Titus sein Luftballongebilde ab, das er vom Clown ergattert hat. Warum Luftballons seit Neuestem gefährlich sind, ist für uns nicht ersichtlich, jedenfalls ist das geknotete Kunstwerk in der Station und den Zügen nicht erlaubt. Wir sind zu ermattet für Diskussionen, und verbringen den restlichen Nachmittag und Abend im Zimmer unseres Guesthouses mit Telefonaten und einem Osterfilm. Das Abendessen fällt jedenfalls aus.
Visums-Erleichterung
Das Frühstück am nächsten Tag auch. Während in Deutschland am Ostermontag Feiertag ist, merkt man in Chengdu erneut wenig vom wichtigsten christlichen Fest. Unsere geplante Wanderung fällt wegen Dauerregen aus, wir stellen den Wecker aus und verbringen den Vormittag mehr oder weniger im Bett. Gegen Mittag erst verspüren wir ein leichtes Hungergefühl und spazieren zum nächsten Bäcker.
Dann steht eine wichtige Aufgabe an: Im Entry and Exit Foreign Center, dem chinesischen Visumsbehörde, wollen wir uns nach den Möglichkeiten einer Visumsverlängerung oder –erneuerung erkundigen.

Man winkt uns aus der Warteschlange heraus, in der sich Chinesen um Ausreisebewilligungen bemühen. Im zuständigen Ausländerbüro erklärt uns eine Dame kurz und bündig, dass China sämtliche Touristenvisa ganz unbürokratisch um 60 Tage verlängert, man brauche dafür kein neues Visum zu beantragen. Da wir wissen, wie wichtig es ist, in China stets tadellose Papiere zu haben (und ein Überziehen der Aufenthaltsdauer nicht nur teuer werden kann, sondern ggf. sogar mit Gefängnisstrafe geahndet wird), fragen wir lieber gleich drei Mal nach und fotografieren das dazugehörige Infoblatt mitsamt der Beamtin und dem Logo der Behörde im Hintergrund. Am Ende sind wir beruhigt: Wir können uns mit der Ausreise also nun tatsächlich Zeit lassen.
Hehuachi Market vs. Chunxi Road
Mit der U-Bahn fahren wir zur North Railway Station und erkunden dort die Straßen rund um den sogenannten Hehuachi Market. Dort ist alles eher schäbig, die meisten Kaufhäuser stehen kurz vor dem Abriss, in den Geschäften türmen sich Kleidung, Schuhe und jedes andere nur vorstellbare Produkt zu billigsten Preisen. Vieles davon ist mehr schlecht als recht auf Markenprodukt getrimmt.
Kein Vergleich zu unserem vorhergehenden Einkaufserlebnis zwei Tage zuvor. In der hoffnungslos überfüllten Haupteinkaufstraße Chungxi Road inmitten von auf Hochglanz polierten Schaufenstern, Luxusmarken und einem unbeschreiblichen Lärmpegel (hier werden Kunden durch lautes Schreien und Klatschen angelockt) waren unsere Nerven und unser Interesse an Shopping nach kurzer Zeit erschöpft.

Immerhin schafften wir es, für Titus ein paar dringend nötige Kleidungsstücke zu erstehen, nach Bummel stand uns der Sinn danach nicht mehr.
Hier, in den Straßen rund um den Nordbahnhof befinden wir uns dagegen im Billigtand-Einkaufshimmel. Es geht erstaunlich ruhig zu, Glamour und Stil sucht man vergebens. Die winzigen Geschäfte in den schmuddeligen Kaufhäusern sind offenbar gleichzeitig das Zuhause von mehrköpfigen Familien, Unrat liegt auf dem Boden und jeder nur erdenkliche Stauraum ist mit Waren vollgestopft. Wer wohl all diese Unmengen an billigster Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug und Kosmetik kaufen soll? Jedenfalls sind die Gegensätze hier in Chengdu wirklich hochinteressant, auf der Busfahrt zurück passieren wir wieder Edel-Kaufhaus um Edel-Kaufhaus – zwei Welten in einer Millionenstadt.
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Easter in Chengdu
Easter is not important in China. Easter Sunday is a normal working day, because shops are open seven days a week. Therefore, we prepare Titus gently for the fact that the Easter Bunny unfortunately won’t come to China. The reasons are obvious: border closures and travel restrictions. He is very understanding. So that at least a little holiday mood arises, Norman makes a reservation for a feudal Easter brunch in a chic hotel.
In order to get there, we take the subway for a ride to the south of the city centre. There, we have to cross a normal big city street. The pedestrian traffic light shows just as long on green as we need for a total of 16 (!) lanes.
Easter Brunch
At the Easter brunch, we can feast for almost four hours and indulge in free-flow prosecco: there are delicious dishes from Chinese, Japanese and Indian cuisine, and above all the confectioners have done their best.

But our heart beats for the Mediterranean buffet, where there are huge loaves of parmesan, salads, crispy bread and olives. Titus fills his stomach and then runs off to join the hordes of children who flock around the clown/magician. He joins the Easter egg hunt, paints Easter eggs and then romps through the sparsely occupied restaurant.

Thus, it is a full success and by paying we notice that the indicated price of 380 Yuan (converted 45 Euro) is not per person but per family.
Jincheng Park and Global Center
Since we urgently need exercise, we take a walk through the nearby Jincheng Park, where Sunday trippers go kite flying, fishing, photo shooting or picnicking – normal Chinese leisure activities.

A gigantic building rises in the background. While Norman suspects an exhibition hall, I guess a shopping centre – and I’m right. The Global Center is the largest building in the world in terms of floor area and houses a huge shopping mall, a swimming pool, a hotel and much more. Of course, we have to take a close look at it, and in the end we have difficulties finding our way out of the insanely large building.
At the entrance to the subway, the officers take away Titus’ balloon, which he got from the clown. Why balloons are dangerous lately is not obvious to us, at least the ballon art is not allowed in the station and the trains. We are too tired for discussions, and spend the rest of the afternoon and evening in the room of our guesthouse with phone calls and an Easter movie. Dinner is cancelled in any case.
Visa Relief
So is breakfast the next day. While in Germany Easter Monday is a holiday, in Chengdu one notices again little of the most important Christian holiday. Our planned hike is cancelled due to continuous rain, we turn off the alarm clock and spend the morning more or less in bed. Around noon we feel a slight hunger and walk to the next bakery.
Then an important task awaits us: At the Entry and Exit Foreign Center, the Chinese visa authority, we need to inquire about the possibilities of extending or renewing our visa. We are waved out of the queue in which Chinese people are trying to obtain exit permits. In the responsible foreigners’ office a lady explains to us briefly and succinctly that China extends all tourist visas by 60 days without any bureaucracy, we do not need to apply for a new visa. Since we know how important it is to have impeccable papers in China at all times (and overstaying can not only be expensive, but may even be punished by imprisonment), we prefer to ask three times and take a picture of the corresponding information sheet with the official and the logo of the authority in the background. In the end we are reassured: we can now really take our time until we leave the country.
Hehuachi Market vs. Chunxi Road
We take the subway to North Railway Station and explore the streets around the so-called Hehuachi Market. There everything is rather shabby, most of the department stores are about to be demolished, in the shops clothes, shoes and every other imaginable product at cheapest prices pile up. Much of it is more badly than rightly meant to be a branded but faked product.

No comparison to our previous shopping experience two days before. In the hopelessly crowded main shopping street Chungxi Road in the midst of glossy polished shop windows, luxury brands and an indescribable noise level (here customers are attracted by loud screaming and clapping) our nerves and our interest in shopping were exhausted after a short time. At least we managed to buy some urgently needed clothes for Titus, after a stroll we didn’t feel like it anymore.
Here, in the streets around the Railway Station, we find ourselves in a cheap shopping heaven. It’s amazingly quiet, glamour and style are not to be found.

The tiny shops in the dingy department stores are apparently also the homes of families with several members, rubbish is lying on the floor and every imaginable storage space is crammed with goods. Who is supposed to buy all these vast amounts of cheap clothes, household goods, toys and cosmetics? Anyway, the contrasts here in Chengdu are really very interesting, on the bus ride back we pass noble department store after noble department store – two worlds in this megacity.
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