In der Kaiserstadt Xi'an / The Imperial City of Xi'an

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In der Kaiserstadt Xi’an

Nun sind wir also in Xi‘an: in der Qin-Dynastie (200 v. Chr.) und immer wieder danach Hauptstadt des Kaiserreichs China und damit auch Wohnsitz des Kaisers. Bereits im 7. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt (eine Million Einwohner) und offizieller Ausgangspunkt der Seidenstraße, leben heute über vier Millionen Menschen in der Hauptstadt der Provinz Shaanxi. Zu besichtigen gibt es an einem solch geschichtsträchtigen Ort natürlich mehr als genug!

Stadtmauer

Nach mehrfachen Versuchen schaffen wir es, uns für den Zutritt zur Stadtmauer anzumelden. Wie immer in China, muss man sich dafür per WeChat-App für den gewünschten Termin registrieren. Das geht nur, wenn uns jemand dabei hilft oder wir mühsam Eingabezeile für Eingabezeile mit der Übersetzungsapp abgleichen. Das dauert, ist aber am Ende erfolgreich. Am Eingang zeigt man zusätzlich zur Anmeldebestätigung noch das Gesundheitszertifikat (ebenfalls auf dem Handy), die Temperatur wird gemessen, und dann dürfen wir am Südtor auf die gut 12 Meter hohe Mauer steigen.

Die gut 13 Kilometer lange Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert ist vollständig erhalten, auf dem ehemaligen Wehrgang kann man die komplette Altstadt umrunden. Leider fällt unser Plan, dies mit einem Fahrrad bzw. Tandem zu tun, flach, denn die Dame am Verleih hält daran fest, dass Kinder unter 12 hier nicht radeln dürfen. Die Enttäuschung ist groß, vor allem, als kurz darauf chinesische Familien zu dritt an uns vorbeiradeln.

Titus ist zum Glück sehr laufbegeistert und gleichzeitig fasziniert von den Wachtürmen und Zinnen. Die Beschilderung spricht von 5.984 Schießscharten, der deutsche Wikipedia-Artikel, aus dem wir vorlesen, von 5.894. Eine gute Lehrstunde zum Thema Glaubwürdigkeit von Texten, und Titus kommt selbst auf die beste Lösung: zählen! Das können wir aber zum Glück abwenden.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang, bei dem wir „nur“ ein Viertel der Mauer geschafft haben, knurren die Mägen. Die Auswahl an Restaurants ist groß, aber da wir schon wieder Lust auf Hot Pot haben, kehren wir zu einem ausgiebigen frühen Abendessen bei Hai Di Lao ein. Dort werden wir von einer ganzen Handvoll KellnerInnen umsorgt, vor allem Titus wird natürlich umschwärmt und bekommt ständig Servietten angereicht und Wasser nachgefüllt. Und dem schmeckt es wie immer ganz ausgezeichnet.

Jedenfalls brauchen wir danach dringend einen weitere Bewegungseinheit und gehen zu Fuß die drei Kilometer zum Hotel zurück!

Glockenturm und Trommelturm

Am Wochenende schaffen wir es leider nicht, eine Registrierung für den Glockenturm zu bekommen, und schauen uns dieses imposante Gebäude dann eben nur von außen an. Ursprünglich diente die weithin hörbare, enorme Glocke darin dazu, morgens die Öffnung der Stadttore zu vermelden.

Heute thront der Turm in der Mitte einer großen Kreuzung, auf der der Verkehr fünfspurig braust, und ist umgeben von Kaufhäusern. Ob die Glocke darin immer noch läutet, können wir leider nicht herausfinden.

Nur wenige Meter entfernt vom Glockenturm steht der Trommelturm mit – Ihr ahnt es sicher schon – einer großen Trommel. Die wurde täglich bei Einbruch der Dunkelheit geschlagen, um die Schließung der Zugbrücke und Stadttore anzukündigen. Heute markiert der Turm den Eingang zum Muslimischen Stadtviertel.

Muslimisches Viertel

Die Große Moschee, das Zentrum des muslimischen Viertels, ist sicher sehenswert, momentan aber leider geschlossen, deshalb sehen wir nur die wenig aussagekräftige Außenmauer. Das muslimische Viertel selbst besteht aus vielen Gassen, in denen vor allem am Wochenende ein ziemliches Gedränge herrscht. Einem Bazar nicht unähnlich, sind entlang der Straßen Verkaufsstände und Buden aufgebaut, in denen Kleidung, Spielzeug, Taschen, Souvenirs, Kunstgegenstände und aller möglicher Tand angeboten wird. Es darf gehandelt werden!

Und Essen spielt natürlich eine wichtige Rolle, hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Die vielen hier ansässigen Metzgereien und Garküchen scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, wirklich alles (!) vom Tier zu verarbeiten. In den Auslagen und auf Tresen liegen Schweinenasen, Hühnerfüße, Ziegenköpfe, Innereien wie Pansen, Herz und riesige Lebern, Schafshoden, Rinderzungen, … Und alles verströmt einen strengen Geruch, vor dem ich lieber die Flucht ergreife und Titus in einen Fish Spa bugsiere, wo das Kind glücklich eine halbe Stunde lang seine Füße beknabbern lässt.

Duchenghuang-Tempel

Wider Erwarten finde ich dank praktischer Happy Cow-App ein vegetarisches Restaurant. Sallys Dumpling Shop liegt direkt neben dem Duchenghuang-Tempel. Die Besitzerin, in deren Laden genau ein kleines Tischchen mit vier Stühlen steht, spricht sehr gut Englisch und freut sich über unseren Besuch. Sie klagt über ausbleibende Kundschaft und serviert uns köstliche vegetarische Dumplings. Dass Titus mit Genuss gleich sechs Stück davon vertilgt, entzückt die Inhaberin so sehr, dass sie sofort mit ihm ein Selfie schießen möchte. Diesmal lässt der sonst so „unfotogene“ junge Mann es geschehen, offenbar kann man ihn mit gutem Essen für sich einnehmen.

Rund um den besagten Tempel geht es im Vergleich zu den quirligen Gassen erstaunlich geruhsam zu. Senioren spielen an kleinen Klapptischen Mahjongg, in den kleinen Buden, die den Tempel-Vorplatz säumen, werden Tempel-Devotionalien wie Räucherstäbchen und Gebetsmühlen verkauft.

Nicht-Chinesen, Behördenärger und köstlicher Kaffee

Von hier aus machen wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel, das nur wenige Meter vom Südtor der Stadtmauer innerhalb der Altstadt liegt. Wir begegnen dabei tatsächlich gleich drei anderen „Laowai“, man grüßt sich freundlich, schließlich ist der Anblick anderer Nicht-Chinesen momentan sehr selten.

Das erklärt auch, warum Norman den ganzen Tag über mehrfach verschiedene Polizeibeamte am Apparat hat, die alle noch einmal unsere bisherige Reiseroute abgleichen wollen. Das ist ja aufgrund der Sprachbarriere nicht ganz einfach, also muss der Hotelbesitzer einspringen, ist aber nach einer verständlicherweise etwas genervt, als kurz darauf ein anderer Beamter anruft und genau die gleichen Fragen stellt. Den dritten, der zum Glück ein wenig Englisch spricht, kann Norman dann alleine abfertigen. Man bedankt sich freundlich für unsere Kooperation, und damit hat es sich (hoffentlich). Warum die eine Behörde oder Dienststelle nicht weiß, was die andere tut, bleibt unklar.

Xi‘an nimmt uns trotzdem für sich ein, allein schon wegen der hohen Dichte an wirklich guten Cafés. Nach unseren Erfahrungen in Lijiang, wo Kaffee Mangelware war, scheinen wir hier im Mekka der Koffeinsüchtigen gelandet zu sein. Leider ist er im Vergleich zu allen anderen Speisen und Getränken empfindlich teuer (im Restaurant kostet eine 0,5l-Flasche Bier umgerechnet 1,50 Euro, eine Flasche Wein im Supermarkt liegt bei 5-6 Euro). Trotzdem können wir nicht widerstehen, mehrmals täglich köstlichen Cappuccino, Flat White oder Americano zu trinken (Kostenpunkt: 4 Euro pro Tasse). Aber wir sind schließlich im Urlaub!


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The Imperial City of Xi’an

Welcome to Xi’an: in the Qin Dynasty (200 BC) and now and then afterwards capital of the Chinese Empire and thus also the emperor’s residence. In the 7th century one of the largest cities in the world (one million inhabitants) and official starting point of the Silk Road, today more than four million people live in the capital of Shaanxi province. Of course, there is more than enough to see at such a historical place!

City Wall

After several attempts we manage to register for entry to the fortifications or famous city wall. As usual in China, we have to register for the desired date via WeChat app. This is only possible if someone assists us or if we translate input line by input line with the translation app. This takes time, but is successful in the end. At the entrance, in addition to the confirmation of registration, the health certificate needs to be shown (also on the mobile phone), the temperature is measured, and then we are allowed to climb up the 12-metre-high wall at the south gate.

The city wall, which is a good 13 kilometres long and dates back to the 14th century, is completely preserved, and on the top of the wall you can walk around the entire old town. Unfortunately, our plan to ride a bicycle or tandem fails, as the lady at the rental shop keeps to the fact that children under 12 are not allowed to cycle here. Titus is deeply disappointed, especially when shortly afterwards Chinese families cycle past us in threes.

Fortunately Titus is very enthusiastic about running and at the same time fascinated by the watchtowers and battlements. The signage speaks of 5,984 loopholes, the German Wikipedia article from which we read out, of 5,894. A good lesson about the credibility of media, and Titus himself comes up with the best solution: count yourself! Fortunately, we can avert this.

After a long walk, during which we “only” managed a quarter of the wall, our stomachs growl. The choice of restaurants is big, but as we are already in the mood for hot pot again, we stop for an extensive early dinner at Hai Di Lao. There we are looked after by a handful of waiters, especially Titus is of course idolized and is constantly served napkins and refilled with water. And as always, he likes it very much. Anyway, after that we urgently need another exercise unit and walk the three kilometres back to the hotel!

Bell Tower and Drum Tower

At the weekend we unfortunately don’t manage to register for the bell tower, so we only have a look at this impressive building from the outside. Originally, the enormous bell, which can be heard from far away, was used to announce the opening of the city gates in the morning.

Today, the tower is enthroned in the middle of a big crossroads where the traffic roars in five lanes, and is surrounded by department stores. Unfortunately, we cannot find out whether the bell inside still rings.

Only a few meters away from the bell tower stands the drum tower with – you probably already guessed it – a big drum. It was beaten daily at nightfall to announce the closing of the drawbridge and city gates. Today the tower marks the entrance to the Muslim quarter.

Muslim Quarter

The Great Mosque, the centre of the Muslim quarter, might be worth visiting, but unfortunately it is closed at the moment, so we only see the outer wall which is not very meaningful. The Muslim quarter itself consists of many alleyways in which there is quite a crowd, especially at the weekends. Like a bazaar, there are stalls and street vendors alongside the streets who offer clothes, toys, bags, souvenirs, art objects and all kinds of baubles.

And food plays an important role, of course, there is nothing that is not available here. The many local butcher’s shops and food stalls seem to have made it their purpose to process literally everything “from nose to tail”. In the displays and on the counter there are pig noses, chicken feet, goat heads, intestines like tripe, hearts and huge livers, sheep testicles, ox tongues, …

And everything exudes a strong smell, from which I prefer to flee and drag Titus to a fish spa, where the child sits happily for half an hour with small fish nibbling his feet.

Duchenghuang Temple

Contrary to expectations I find a vegetarian restaurant thanks to the helpful Happy Cow app. Sally’s Dumplings is located right next to Duchenghuang Temple. The owner, whose shop is so small that it finds room for exactly one small table with four chairs, speaks English very well and is happy about our visit. She complains about the lack of customers and serves us delicious vegetarian dumplings. The fact that Titus eats six of them with pleasure delights the owner so much that she wants to shoot a selfie with him. This time the otherwise so “unphotogenic” young man lets it happen, apparently you can convince him with good food.

Compared to the lively alleyways, it is surprisingly quiet around the aforementioned temple. Seniors play mahjongg at small folding tables, in the small booths that line the temple forecourt, temple devotional objects like incense sticks and prayer wheels are offered.

Non-Chinese people, trouble with authorities and delicious coffee

From here we make our way back to our hotel, which is located only a few meters from the south gate of the city wall within the old town. We actually meet three other “Laowai” on the streets and greet each other friendly, after all the sight of other non-Chinese is very rare at the moment.

This also explains why Norman has several different police officers on the phone during the whole day, who all want to check our travel itinerary over and over again. Due to the language barrier this is not easy, so the hotel owner has to step in, but after an understandably annoying phone call, another officer calls shortly after and asks exactly the same questions. The third one, who fortunately speaks a little English, can be handled by Norman alone. He thanks us politely for our cooperation, and that’s it (hopefully). Why one authority or department does not know what the other is doing remains unclear.

Xi’an still wins us over, if only because of the huge variety of really good cafés. After our experiences in Lijiang, where coffee was in short supply, we seem to have landed here in the Mecca of caffeine addicts. Unfortunately, compared to all other food and drinks coffee is quite expensive (in a restaurant a 0.5l bottle of beer costs the equivalent of 1.50 euros, a bottle of wine in the supermarket is 5-6 euros). Nevertheless, we cannot resist to drink delicious cappuccino, flat white or Americano several times a day (cost: 4 euros per cup). But it is definitely worth it!

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